Als Einblick in das Korpus, auch hinsichtlich der Authentizität und Qualität der Aufnahmen und damit verbundener Chancen und Schwierigkeiten für die Erschließung, sollen die nachfolgenden Beispiele dienen. Die Übersetzung folgt dabei der Version aus dem Textband von Mitzka & Martin.

Sievering (Wien)

Dialekt: Mittelbairisch
Sprecher: F.R., Weinbauer (57J.), K.G., Weinbauer (67J.)
Aufnahme: 14/04/38 in Sievering

Fahrtteilnehmer (lt. Protokoll): Fritz Debus, Eberhard Kranzmayer, Anton Pfalz, Dietrich Kralik
Matrizennummer: LD60314
Textbandnummer: nicht vorhanden

F.R: Das Sieveringer Weingebirge, das schließt den Gürtel um Wien ab … ist eine ausgesprochene Höhenlage. Und es sind verschiedene Rieden da, Glatzing, Krottenbach, Gollein, Mitterberg, Reisser. Und zwischen […] den Rieden sind auch Drahtrahmenkulturen eingeflochten, was sagst du zu der Drahtrahmenkultur?
K.G.: Drahtrahmenkultur ist ja gut, wie ich sage, aber leichterer Boden gehört zur Bearbeitung und den haben wir eben nicht. Das ist eben schlecht.
F.R.: Und was für Sorten hast denn du ausgesetzt?
K.G.: Sorten hab‘ ich alle, alle möglichen Sorten.
F.R.: Weil ich hab das ja so eingeteilt, dass ich in jeder Zeile, daß ich halt so viele Zeilen Traminer hab…
K.G.: [1. Teil gleichzeitig „Traminer hab“] Ach du hast das … sortiert gesetzt.
F.R.: … und dann Silvaner, Grüner Veltliner, Muskat.
K.G.:  Sortiert.
F.R.: Ja.
K.G.:  Die hab ich nicht. Bei mir stehen sie…
F.R.: Na, wie bist du denn zufrieden mit dem heurigen Wein?
K.G.: Der Heurige ist ja groß-, großartig geworden auf das Jahr.
F.R.: Wir haben gar nicht geglaubt, ob des vorjährigen nassen Jahres, daß wir überhaupt so eine Qualität herausbringen, nicht?
K.G.: Das hat sich erst herauskristallisiert jetzt durch die Vergärung.
F.R.: Na, wie machst du … tust du mosteln noch oder quetschen?
K.G.: Quetschen.
F.R.: Ja, das ist jetzt mosteln … vom Mosteln ist man schon abgekommen jetzt.
K.G.: Das hat viel Zeit in Anspruch genommen und einfach ist ja da das Ausquetschen.

Phonetische Transkription des Ausschnitts durch die damaligen Bearbeiter:

Adolf-Hitler-Koog (Schleswig-Holstein)

Dialekt: Nordniederdeutsch
Sprecher: R.W., Bauer (33J.) / H. W., Bauer (34J.) / O. Th., Bauer (38J.)
Aufnahme: 10/02/1937 in Marne
Matrizennummer: LD60184
Textbandnummer: ND051

R.W.: Hast recht, Otto, wie die Zeit läuft! Nun sitzen wir hier schon zwei Jahre im Adolf-Hitler-Koog hinterm Deich.
H.W.: Im großen Sturm vergangenen Herbst hat einem das Wasser nichts antun können, das steht fest.
O.Th.: Und was für ein Stück Land haben wir gekriegt! Land ohne Krieg!
H.W. Das ist kein Moor oder Heide, wo sie anderwärts siedeln.
R.W.: Bester Marschboden! Er ist nahe an der Elbmündung und nicht weit von Brunsbüttelkoog, und der Friedrichskoog liegt auch in der Nähe.
H.W.: Das erste Jahr konnten wir ja bloß Hafer bauen.
R.W.: Ja, das kommt von dem Salzwasser. Das Salzwasser ist immer über das Land gelaufen, und dann will in den ersten Jahren hier nicht recht etwas anders wachsen als Hafer.
H.W.: Nu wächst hier ja wohl alles, was eine Marsch (her)gibt: Weizen, Kohl, Hafer, Gerste, Mengkorn und Raps. Gerade so gut wie anderwärts. Damit kannst du zufrieden sein.
R.W.: Ja, nun gehören wir hier ja alle zusammen.
H.W.: Sind auch alle echte Dithmarscher. Du, Otto, bist aus Trennewurth; du, Richard, bist aus Blankenmoor, und ich bin von Eddelak.
R.W.: Ja, nun haben wir jeder unser eigen Stück Erde unter den Füßen. Wir sind ja größtenteils Bauersöhne, als dritter, vierter Junge von den einzelnen Höfen aus der Umgegend. Wir hatten sonst wenig Aussicht, daß wir irgendwie einmal ein Landstück kriegen würden. Aber durch dies großzügige Siedlungsprojekt sind wir nun in die Lage gekommen, daß wir einmal selbst Bauern werden können.

 Schönwald (Polen, ehemals Oberschlesien)

Dialekt: Oberschlesisch
Sprecher: U.C., Bürgermeister (35J.)

Aufnahme: 22/02/1937 in Schönwald
Matrizennummer: LD60200
Textbandnummer: MD084

A.C.: Also liebe Leute, als Schulz und als Ortsgruppenleiter von der Partei von Schönwalde werde ich Ihnen mal etwas über Schönwalde erzählen. Unsere Vorfahren hatten sich da im 13. Jahrhundert angesiedelt. Das waren deutsche Siedler aus Thüringen und aus Franken. Dort, wo Schönwald nun steht, muss einmal ein schöner Wald gewesen sein, sonst hätten sie unser Dorf nicht Schönwalde geheißen. Die Schönwälder waren nicht immer solche Bauern gewesen wie heute. Früher waren sie Fuhrleute. Die waren gefahren bis rauf nach Italien, sogar bis zur Türkei waren sie raufgekommen. Von dorther hatten sie Zitronen, Apfelsinen, und was da gebraucht wurde, geholt.

 Berstadt (Hessen)

Dialekt: Zentralhessisch
Sprecher: Ro.A., Landwirt und Ortsbauernfürher (38J.) / Ru.A., Landwirt und stellv. Ortsbauernführer (54J.)
Aufnahme: 04/01/1937 in Berstadt
Matrizennummer: LD60117
Textbandnummer: MD010

Ru.A.: Ja und, da soll eine Bahn gebaut werden?
Ro.A.: Da soll jetzt eine Bahn gebaut werden, quer über unsere Gemarkung.
Ru.A.: Nun, wie läuft denn die?
Ro.A.: Die Bahn, die kommt von der Chaussee oben runter, geht durch das „graue Feld“ über die Mitte der „vier Gewanne“, geht sie gerade mittendurch, nachher geht sie dann über Scholls hin, quer über die Äcker hinweg, quer durch die Gewanne. Sie geht über die „achtzehn Morgen“, sie geht über „Sih“, sie geht über unsere Dorfwiese und kommt dann an unseren Baumstücken vorbei, entweder links oder rechts, das liegt jetzt noch nicht fest. Geht sie links vorbei, dann schädigt sie unsere Bäume, geht sie rechts vorbei, ist es kolossal unübersichtlich von der Chaussee. Aber an diesen Sachen ist nichts zu machen, da drüber entscheidet ja schließlich die Hebrag.
Ru.A.: Nun, wie viel Morgen gehen denn da verloren?
Ro.A.: Ja, das ist jetzt der springende Punkt, da gehen schon mit dem Bahnbau allein 50 Normalmorgen verloren als Bahnbaugelände, nicht?
Ru.A.: Das ist aber etwas Schönes, gerade 50 Morgen in unsrem guten Wetterauer Boden, der 80prozentig ist, so viel Land zu veräußern, wo wir doch alles zum Nötigsten brauchen zur Erzeugungsschlacht. Das ist ja doch, kann man gar nicht gut glauben, dass da so etwas gemacht werden kann.

 Aletshausen (Bayern)

Dialekt: Schwäbisch
Sprecher: M.L., Knecht (19J.)
Aufnahme: 16/01/1937 in Aletshausen
Matrizennummer: LD60140
Textbandnummer: OD052

M.L.: Also vom Maibaum soll ich erzählen. Ja, das kann ich schon. Bei uns im Schwabenland ist alle Jahre Brauch, daß man einen Maibaum setzt. Das haben wir auch heuer wieder gemacht. Mitte April kommen wir jungen Burschen zusammen, da wird ausgemacht, ob man einen Maibaum setzt. Also gut, da setzt man halt einen. Nachmittag geht man hinaus und sucht nun einen schönen, langen und schlanken heraus. Das haben wir auch heier wieder gemacht. Am abend in der Dunkelheit geht man hinaus, da nimmt man ein paar Äxte mit und eine Säge, und da geht’s los mit der Arbeit.

 Ramsau (Bayern)

Dialekt: Mittelbairisch
Sprecher: I.Gi., Hausmeister (45J.), I.Gr., Bauer (58J.)
Aufnahme: 29/10/36 in Ramsau
Matrizennummer: LD60044
Textbandnummer: OD001

I.Gi.: Und wie lange ist das her, wie es dir da dein Feld so versandet hat?
I.Gr.: Ah, wie da die Steinlawine niederging, dies ist gewesen 33 im Juli, 14. Juli. Da ist so ein grimmiger Wolkenbruch gekommen, habe es schon gesehen, es war da… das Wetter ist da herausgekommen von Berchtesgaden und hat sich in der Reiteralm angesetzt, hat oben einen alten Graben ausgerissen und hat die ganze Masse, die ist etwas gewesen wie eine Lawine, hat es alles herunter in unser Feld, das ist auf einmal gekommen, das ist nicht nach und nach gekommen, wäre ganz unmöglich, wenn einer dies ausräumen müßte, dies würde seine 10 – 15.000 Mark kosten, das kann er nicht machen.
I.Gi.: Nun ja, aber der Führer hat es auch schon gesehen, am Ende, dass sie doch etwas tun jetzt, dass sie es ausputzen, wo wir doch ein jedes Flecklein Feld brauchen können in Deutschland.